15 Jahre Pfadfinderarbeit im CVJM Südangeln e.V.

Vor 15 Jahren startete unser CVJM hier in Südangeln nach 25 Jahren klassischer Jugendarbeit (Jungschar und Jugendgruppen) in sechs Kirchengemeinden mit der Pfadfinderarbeit. In den ersten Jahren wurde diese hauptamtlich geführt und seit gut 10 Jahren in Tolk von Ehrenamtlichen geleitet. So treffen sich wöchentlich gut 30 Kinder und Jugendliche, um in der Natur Gemeinschaft zu erleben. Ab der 1. Klasse können Kinder mitmachen; nach oben gibt es keine Grenzen! Die jüngeren Pfadis lernen von den älteren.


Erfahrene Pfadis übernehmen schon mal kleinere Gruppen und leiten diese bei Aktionen oder während der Pfadfinderstunden an. Vor 10 Jahren fingen wir mit gut 50 Pfadfindern wöchentlich an. Diese Zahl war sehr hoch für ein Dorf mit gut 1.300 Gemeindegliedern. Es war aber auch schwierig, alle bei der Stange zu halten. Wir hatten Kinder, die nur einmal kamen und wir haben zwei, die über 10 Jahre dabei sind! Die Pfadfinderei ist mehr als eine normale Gruppenstunde, sie ist auch ein Lebensgefühl, Lebensstil! Der Charakter der Pfadfinderarbeit wird aber nicht von allen geteilt, so dass die Fluktuation in den Gruppen erheblich ist. Zurzeit haben wir 20 jugendliche Pfadinder, 13-18 Jahre und 10 jüngere im Alter von 9-12 Jahren.

Uns geht es in der Pfadfinderarbeit darum, dass die Kinder keine Angst vor der Zukunft haben müssen. Wir sind in Gottes Hand geborgen und laden immer wieder dazu ein, über Lebensinhalte nachzudenken. Gottvertrauen, Rücksicht, respektvoller Umgang mit sich und anderen, sind uns wichtig. Die grundlegenden Dinge wie Hinwendung zum Einfachen sollen wiederentdeckt werden! Im CVJM-Zeichen gibt es ja die drei Ecken, die Körper – Seele - Geist symbolisieren. Es geht um den ganzen Menschen, um alle seine Sinne! Sir Baden-Powell, der Begründer der Pfadfinderarbeit, hat seine Erlebnisse und Erkenntnisse genutzt und aufgeschrieben. Diese Erkenntnisse sind auch heute noch aktuell. So ist die Kluft ebenso ein wichtiges Erkennungszeichen der Pfadfinder, wie die Pfadfindergesetze. Was nützt es uns viel Geld zu verdienen, wenn der Körper durch Stress und andere Belastungen krank wird? Der richtige Umgang mit Feuer bringt uns Sicherheit! Wir müssen dann nicht frieren und Essen können wir uns damit auch zubereiten. Wenn ich die Pflanzen der Natur kenne, kann ich daraus Lebensmittel gewinnen. Mit Lehm, Holz und anderen Naturmaterialien kann ich einfache Unterstände und Hütten bauen, und eben fast alles ohne viel Geldeinsatz! Je mehr ich lerne und auch praktisch umsetzen kann, desto weniger Angst muss ich vor Krisen haben!


Neben Elementen wie Feuer, Wasser und Holz sind Andachten, Singen, Pfadfindergesetze und Spiele Grundelemente, die immer wieder genutzt werden. Der Umgang miteinander, mit der Natur und mit anvertrauten Materialien wie Messer, Beil, Säge oder Zelte, sind ebenfalls immer wiederkehrende Inhalte der Pfadfinderstunden. Die Natur bietet im Jahresverlauf verschiedene Gelegenheiten zum Basteln, Verarbeiten und Bauen an. Mit den älteren Pfadis, ab ca. 13 Jahren, werden kleine Projekte erarbeitet. Wir haben z.B. einen Lehmofen, eine Hütte und einen Lehmherd gebaut. Nun wollen wir uns ein Shelter (flache Schutzhütte) zum Übernachten bauen. Gemeinsam werden diese Dinge geplant, Material beschafft und dann während der Pfadfinderstunden oder in extra angesetzten Treffen umgesetzt. Im Winter, wenn es dunkel ist, wird viel auf offenem Feuer gekocht und im Lehmofen gebacken. Zu den wichtigen Erfahrungen gehört auch, dass die Würstchen mangels fehlender Glut nicht gegrillt werden konnten und wieder mit nach Hause genommen werden mussten.

 

Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Pfadfinderarbeit sind die Sommerlager und sonstigen Fahrten. Unser Stamm ist nun schon häufiger alleine, aber auch mit anderen Stämmen gemeinsam unterwegs gewesen. Es sind tolle Erlebnisse, wenn aus verschiedenen Stämmen eine große christliche Freizeitgemeinschaft entsteht. Viele neue Kontakte entstehen, es kann voneinander gelernt werden. Während dieser Fahrten sind die Groß- und Geländespiele sehr beliebt. Wo hat man sonst über 100 Mitspieler! Es werden Workshops von jungen Mitarbeitern vorbereitet und auch Jobs an Teilnehmer übertragen, so dass sie Verantwortung und Zuständigkeit lernen. Auch das KPT (Klo-Putz-Team) gibt es während jeder Fahrt. Es darf auch mal etwas danebengehen, eben „learning by doing“! Während der gemeinsamen Fahrten werden häufig s.g. Hajk`s angeboten. Jugendliche haben dann die Möglichkeit, einen Tag oder mehrere Tage alleine unterwegs zu sein. Sie legen die Route fest, sorgen selber für die Verpflegung und Unterkunft. Wer dann die Karte nicht richtig lesen kann, wird womöglich längere Wege zurücklegen als gedacht.

 

Das klingt alles schön, aber wie bekommt man eine solche Arbeit aufgebaut? Wir hatten Glück und konnten von der hauptamtlich geführten Arbeit nach dem Ausscheiden unserer Hauptamtlichen als Ehrenamtliche Einiges weiterführen. Dabei sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefragt, die Durchhaltevermögen, Lust auf Natur und Kinder haben! Unser Mitarbeiterteam hat sich in den letzten 10 Jahren immer etwas verändert, doch es sind seit Beginn zwei die Arbeit tragende Mitarbeiter geblieben. Diese haben entsprechende Begabungen und sich Kompetenzen angeeignet, die die ganze Arbeit erleichtern. Wer etwas von der Natur, den Tieren und Pflanzen kennt, kann dadurch auch etwas weitergeben. Wer selber früher schon gewandert ist oder auch das Kanufahren beherrscht, ist klar im Vorteil! Diese Kompetenzen und Erfahrungen sind nicht unbedingt Voraussetzung, erleichtern aber die Arbeit und verringern die Punkte, die noch erlernt werden müssen. Viele Aktivitäten bei den Pfadfindern erfordern handwerkliches Können, und es ist ein Vorteil, wenn die Mitarbeiter davon etwas verstehen und gern Neues ausprobieren. Heute kann ja sehr vieles gegoogelt werden, trotzdem sollte es im Vorwege ausprobiert und getestet werden. Ansonsten können sich die Pfadfindertreffen wegen des Nichtfunktionierens einer Sache unnötig in die Länge ziehen!

 

Wenn zwei tragende Mitarbeiter da sind, ist das vorteilhaft. Schöner und bunter wird die Arbeit, wenn mehrere Mitarbeiter ihre Begabungen einbringen können. Leider machen wir die Erfahrung, dass nicht alle ältere Pfadis für die Mitarbeit gewonnen werden können, oder sie können sich aufgrund von Ausbildung oder den schulischen Anforderungen bzw. einem Studium nicht mehr weiter beteiligen. Wir sind aber zuversichtlich, dass sie die Erlebnisse und Erfahrungen mitnehmen und hilfreiche Impulse für ihre Lebensgestaltung erhalten haben. Und vielleicht steigen einige von ihnen später wieder einmal in die Pfadiarbeit ein….

 

Für uns wird es allerdings nicht leichter, wenn uns die jungen Mitarbeiter verlassen! Es gibt dann fast immer auch Einbrüche bei den Teilnehmern und Teilnehmerinnen und Neues muss mühsam wieder aufgebaut werden. Wenn allerdings junge Mitarbeiter/-innen ab ca. 14 Jahren als Gruppenleiter/-innen Verantwortung übernehmen, ist es wichtig, dass für sie auch Veranstaltungen und Schulungen angeboten werden. Sie möchten und dürfen auch einfach mal dabei sein, schöne Dinge erleben und nichts machen müssen! Es gibt beim Ring der ev. Pfadfinder die Helferschulungen, wo Gleichaltrige in großer Zahl die Schulungen machen. Dort werden nicht nur die Techniken wiederholt, es wird auch Gemeinschaft erlebt und es werden oft Freundschaften geschlossen. Durch überörtliche Veranstaltungen können diese gepflegt werden, und es findet dort ein reger Austausch von Informationen unter den Stämmen statt. Die Julei-Card-Schulung absolvieren unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beim CVJM Brückenschlag Nord-Ost. In diesem Jahr hatten wir fünf junge Leute dabei. Diese hohe Zahl an Jugendlichen ist schon etwas Besonderes für uns. Bei der Begleitung der älteren Mitarbeiter/-innen muss man aufzupassen, dass diese nicht ausbrennen! Konkret heißt das, dass die anfallenden Arbeiten immer auf mehrere Schultern verteilt werden (was leider nicht immer möglich ist). Oft machen einige wenige fast alles! Aber irgendwann gehen die Ideen aus, sie werden müde und fallen plötzlich aus. Bei den Mitarbeitern verhält es sich ähnlich wie an der Börse. Es gibt ruhige und gute Zeiten, und es gibt eben auch unruhige Zeiten mit erheblichen Kursverlusten!

 

Die Zahl der schwierigen oder benachteiligten Kinder steigt. Es gibt Stämme, die vielen dieser Kinder und Familien Halt geben können. Ehrenamtliche Mitarbeiter sind mit dieser großen Aufgabe häufig aber überfordert, so dass es nicht immer möglich ist, diesen Kindern gerecht zu werden. Dann nehmen wir die Expertise in unseren Dachverbänden, bei der Kirche oder im Landkreis in Anspruch. Wir bemühen uns auch aber selbst, unser pädagogisches Wissen als Ehrenamtliche und die eigenen Erfahrungen aus der Kinder- und Jugendzeit als Hilfe und Leitfaden anzuwenden. Es wird einfach das umgesetzt, was uns Mitarbeitern pädagogisch möglich ist und womit wir die Pfadfinderstunden auch für solche Kinder interessant machen können.

 

Die demografischen Veränderungen der Bevölkerung sind auch bei uns deutlich spürbar. Es kommen weniger Kinder in unsere Gruppen! Sicherlich liegt diese Tendenz auch mit an den verlängerten Betreuungszeiten in der Schule und an dem großen Freizeitangebot. Leider ist es fast unmöglich, in einem Ort die Angebote für Kinder so zu gestalten, dass keine Überschneidungen entstehen. Wir haben eine komplette Altersgruppe an den Fußballverein verloren, weil die neue Spielzeit genau in die Zeit der Pfadfindergruppe fiel und die Kinder bzw. ihre Eltern sich dafür entschieden haben.

 

Die Pfadfinderarbeit bei uns im Dorf lebt auch von der Unterstützung der Dorfbewohner. Unseren CVJM gibt es hier schon seit 40 Jahren und die Jugendarbeit wird geschätzt und unterstützt. Wir haben unsere tolle Pfadfinderecke, unsere Gru (Bachlauf mit großem Baumbestand) von einer Bauernfamilie kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Dort können wir seit Jahren unsere Pfadistunden durchführen, nutzen die Feuerstelle regelmäßig und haben Platz für unsere Bauten! Im kirchlichen Gemeindehaus konnten wir bislang auch Gruppenstunden durchführen. Nun hat uns die politische Gemeinde einen eigenen Raum in der alten Schule zur Verfügung gestellt. Diesen Raum können unsere Jugendlichen nun fleißig herrichten und nach ihren Vorstellungen gestalten.

 

Ob und wie die Pfadfinderarbeit gelingt, hängt also von vielen Faktoren ab. Die Voraussetzungen und Faktoren ändern sich fortlaufend. Es gibt somit kein Patentrezept! Wir haben bislang ein gutes Mitarbeiterteam und breite Unterstützung, so dass wir nun eine Pfadfinderarbeit führen können, wo die Jugendlichen vieles lernen und weitergeben können. Man kann aber allerdings das beste Material, die besten Mitarbeiter und Räumlichkeiten haben und es läuft trotzdem nicht! Wenn das Mitarbeiterteam sich nicht versteht, wird es schwierig! Wenn das Programm zu langweilig und zu flach ist, dann kommen keine Kinder mehr. Wenn der Geist Gottes diese Arbeit nicht segnet, dann wird sie nicht gelingen! Wir haben viele Ältere im Verein, die uns durch Gebet und Zuspruch unterstützen. Der Motor der Jugendarbeit sind wir Menschen, aber wir leben von Gottes ‚Sprit’ (Spiritus Sanctus = Heiliger Geist)! Wir können nur zum Glauben einladen und das vorleben, was wir erkannt haben, glauben und leben.

 

Wir haben gelernt, dass sich Vieles einfach fügt! Wie oft haben wir nicht gewusst, wie wir etwas machen sollten, und es ging dann doch! Es geht auch mal etwas schief, es gelingt auf der anderen Seite aber auch viel mehr, als wir erwarten. Rückblickend gesehen ist für uns die Umstellung auf die Methode der Pfadfinderei genau richtig gewesen. Nun gibt es in Tolk viele „Allzeit bereit“ und ich wünsche allen, die es auch probieren wollen Gottes Segen und „Gut Pfad!“

 

Sven Schröder,

Vorsitzender des CVJM Südangeln,

20. Mai 2015


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