Rückblick Seminar: Die Chancen von Spiel und Sport

16 Jugendliche und Junge Erwachsene aus SH und M-V und sogar von der Insel Sylt wollten wissen, wie es geht. Das Jugendbildungsseminar vom 26. bis 28. Oktober 2012 in Ratzeburg begann unter der Leitung von Friedemann Kretzer, CVJM Landessekretär in SH und M-V, mit einigen Warming-up-Übungen. So musste z.B. eine Ratzeburg-Rap gedichtet werden. In dem rasanten Kennenlernspiel  „Persönlicher Steckbrief“ ging es heiß her: Die Teilnehmenden mussten persönliche Merkmale der anderen sammeln und gleichzeitig die Preisgabe der eigenen Informationen verhindern. Anschließend wurden alle persönlichen Informationen ausgetauscht.

 

Es folgte eine interessante Gesprächsrunde über die Ursachen von Aggressionsstau, Schlaffheit und Nichtintegration. Dabei wurden viele der heute gängigen Gründe wie Medienabhängigkeit, Ausgrenzung, Multioptionen usw. genannt. Der Tag wurde mit einem Abendgebet im Ratzeburger Dom beendet.

Die Einheiten am Samstag wurden von Rebekka Henrich, Sozialarbeiterin, Kriminologin und Anti-Aggressivitäts-Trainerin aus Hamburg, und ihren beiden Projekthelfern gestaltet. Zu Beginn gab es einige Einstiegs-rituale (Regeln, Vorstellung, Ablauf) dazu ein erstes Anti-Blamier-Training. Es folgten Vertrauensspiele und Spiele, die den Teamgeist fördern. In dem Spiel „Balljonglage“ konnten nur alle miteinander gewinnen; deshalb war das Zusammenwirken von allen angesagt. Immer wieder setzten sich die Referentin und ihre Helfer mit den jungen Leuten zusammen, um die gemachten Erfahrungen zu reflektieren und über Konsequenzen bis in die öffentlichen Raum hin nachzudenken.

 

Beeindruckend am Nachmittag waren die Wirkung der Körpersprache, der nicht eingehaltene Abstand zum Anderen und die Konfliktspirale als Konfliktverstärker. Demgegenüber wurden praktische Tipps & Tricks zur Deeskalation vermittelt, ein beharrliches verbales oder nonverbales Auftreten beschrieben und die Abwehr negativer Energie und Strategien für Win-Win-Lösungen aufgezeigt.

 

Hoch spannend war in diesem Zusammenhang das Spiel „Die Gasse“ zur Konfliktschlichtung in Bedrohungssituationen. Die Teilnehmenden bildeten eine Straßengasse. Auf dieser standen die Trainer und Helfer als Provokateure. Alle Teilnehmenden mussten mehrmals die Gasse durchschreiten und sich überlegen, wie sie der möglichen Provokation bzw. Bedrohung begegnen wollten. Hier wurden auf beiden Seiten verblüffende Erfahrungen gemacht. Anschließend wurden wichtige Fragen reflektiert: Wie gehe ich mit Provokationen und Konflikten um? Lasse ich mich schnell von meinem Ziel abbringen? Welches Aggressionspotenzial habe ich? Greife ich ein oder lasse ich andere helfen? Usw.

 

Der Tag hatte viele spannende Erkenntnisse gebracht, nun war am Abend pure Entspannung angesagt: Mit drei Mannschaften wurden in der Sporthalle mehrere kleine Indiaca-Turniere gespielt. In einer echten Hallenatmosphäre mit Trommeln und Gesängen wurden spannende Spiele absolviert und die Siegermannschaften ermittelt. Anschließend wurde der Tag wieder mit einem gemeinsamen Abendgebet im Dom beendet.

 

Am Sonntagmorgen war Christian Feilcke, Schulsozialarbeiter und ehemaliger CVJM-Landessekretär von Mecklenburg, bei uns zu Gast. Er machte zu Beginn deutlich, dass zu einem guten Miteinander in Gruppen gemeinsame Regeln und deren Einhaltung gehören. Mit vielen Energizern (Aktivierungsspielen) förderte er das Miteinander in der Gruppe: Einander besser kennenlernen, als Gruppe zusammen zu wachsen, „Dampf“ abzulassen, die Konzentrationsfähigkeit zu fördern und Menschen nach Misserfolgen wieder aufzubauen. Immer wieder rief er die Gruppe zusammen und erklärte Sinn und Zweck der einzelnen interaktiven Spiele.

 

Nach einer gottesdienstlichen Andacht, die ebenfalls von Christian Feilcke gehalten wurde, stand die Reflexion an. Hier wurden u.a. genannt: Das Seminar war klasse, Indiacaspielen hat Spaß gemacht, Spiele und Erklärungen der Referenten waren gut, habe viele Erfahrungen mitgenommen, der Anteil von Theorie und Praxis war ausgewogen, die Hintergründe wurden erklärte, ich hätte aber noch mehr davon vertragen können.

 

Allen Beteiligten war klar, dass diese Spiele und Methoden viel mehr Platz in Kindergärten, Schulen, Freizeiteinrichtungen und Betrieben haben müssten. Entsprechende Einheiten sollten personellen und finanziellen Engpässen nicht geopfert werden – dafür bieten sie zu viele Chancen für die Bewältigung von Missständen und Defiziten in unserer Gesellschaft.


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